Foto: Hannah Becker

Grüße aus Israel #3

Eindrücke einer Volontärin bei Dienste in Israel

Hannah ist seit vielen Jahren in der Region Nord der Baptistischen Pfadfinderschaft und damit in der Jugendarbeit des GJW NOS engagiert. Nach ihrem Abitur im Frühsommer 2017 entschied sie sich, als Volontärin bei  Dienste in Israel, einer diakonischen Organisation des Bundes evangelisch-freikirchlicher Gemeinden (BEFG), für ein Jahr nach Israel zu gehen. Was sie in der Zeit dort erlebt könnt ihr in monatlichen Berichten hier bei uns nachlesen.

Yom Tov, ihr lieben! (Guten Tag)

Ich bin jetzt ziemlich genau 3 Monate hier. Es ist ein sehr komisches Gefühl, dass schon ein Viertel der Zeit hier um ist. Man erlebt so viel. Aber dazu später.

Wetter und Vokale

Erstmal sollt ihr wissen, dass es hier vor zwei Wochen den ersten Regen gab und es war fantastisch. Man hat wieder atmen können. Seit dem Regen ist hier alles um ca. 5 Grad abgekühlt. Also statt 40° haben wir jetzt am Tag 35° manchmal auch nur 30°. So macht der Arbeitsweg etwas mehr Spaß, da man nicht wie geduscht, sondern fast trocken ankommt. Mein Arbeitsweg sind ca. 5 km mit dem Fahrrad und einigen Erhöhungen. Das ist an sich ein angenehmer Weg, wenn die Hitze nicht da ist und der Verkehr nicht ganz so chaotisch wäre.  Aber so ist das hier nunmal.

Der Sprachkurs ist sehr hilfreich und ich kann mich schon etwas unterhalten und lesen.  Obwohl das immer eine Herausforderung ist, da die Vokale im Hebräischen Punkte sind, die eigentlich überall weggelassen werden. Ebenso entscheidet ein Punkt, ob der Buchstabe ein B oder W ist, ein T oder K, S oder Sch u.s.w. Man muss die Worte also kennen, um sie zu lesen.

Rosch Hashanah und weitere Feiertage

Jetzt aber mal zu den Dingen die hier so passiert sind. Ein großes Ereignis war Rosch Hashanah: das Neujahrsfest. Wir haben das mit ein paar Volontären in Jerusalem gefeiert. Es war ganz anders als unser Silvester.  Alle Familien saßen zusammen und haben gegessen und gemeinsam gefeiert. Es werden dort sehr viele verschiedene Dinge gegessen, die alle eine Bedeutung haben. So stehen Äpfel und Honig für ein süßes neues Jahr. Ebenso wie Datteln. Der Fischkopf für Weisheit und beim Granatapfel steht jeder Fruchtkern für ein gutes Ereignis im Jahr.

Kurz danach war Yom Kippur: das Versöhnungsfest. Ich glaube, das war der einprägsamste Tag hier. Nicht nur, dass wir bei fast 40°C 50 km Fahrrad gefahren sind, wir fuhren auf dem Highway, also auf der Autobahn, da nicht ein Auto auf der Straße war. Sogar der Flughafen war geschlossen. Alles stand still, das ganze Land. Auf den Straßen spielten die Kinder und alle gingen dort spazieren. Wir sind nach Herzlia gefahren, an einem wunderschönen Strand über Tel Aviv. Es war eine sehr schöne Erfahrung, zu sehen wie dieser wichtige Tag von allen respektiert wird. Denn Geschäfte und ähnliches müssen geschlossen bleiben, ebenso Flughafen und Bahnhöfe. Auch Busse dürfen nicht fahren. Aber es ist nicht verboten, Auto zu fahren. Trotzdem tut es keiner. Zum großen Teil aus Respekt seinen gläubigen Mitmenschen gegenüber. An diesem Tag soll man seiner Fehler des vergangenen Jahrs gedenken und um Versöhnung bitten. (Dies hat sogar Marc Zuckerberg getan und dazu einen Post verfasst.)

Foto: Hannah Becker

Kurz nach Yom Kippur war Sukkot: das Laubhüttenfest. Dort werden kleine Hütten aufgebaut, unter denen gegessen, aber auch gelebt werden soll. Inzwischen beschränkt es sich meistens auf‘s Essen. Das Fest geht 8 Tage lang und endet mit Simchat Torah.  An diesem Tag wird die Torah zuende gelesen und es beginnt von neuem. Überall wird gefeiert und auf den Straßen getanzt.  Natürlich mit Torahs auf dem Arm und Flaggen in den Händen.

Was ich sonst so erlebt habe

An Sukkot haben eine Volontärin und ich Israel Yaoz besucht. Ein Holocaustüberlebender aus Bergen-Belsen. Es war ein sehr schöner Besuch mit vielen interessanten Gesprächen. Nicht nur mit ihm, sondern auch anderen Bewohnern des der Residenz. Dieses ist eine Einrichtung extra für Holocaustopfer aus Holland. In der Festwoche war auch in einem Kibbuz, dass von Juden aus den Jemen gegründet wurde, ein kleines Festival. Mit Musik, Konzerten, traditionellen Juden aus dem Jemen und Ausstellungen, wie sie damals gelebt haben usw.

Nach den ganzen Festlichkeiten waren einige Volontäre auf einem Schweigeseminar. Darunter auch ich. Wer mich kennt, weiß, dass ich nicht gerade die schweigsamste Person bin. Vielleicht genau deswegen war es so eine wertvolle Erfahrung. Einfach mal nicht zu reden und sich auf seine Gedanken zu konzentrieren, ist anstrengend, aber man lernt ziemlich viel. Auch über sich. Zum einen weiß ich jetzt, dass Schweigen echt anstrengend ist. Aber auch irgendwie beruhigend.

Letztes Wochenende war ich mit einer anderen Volontärin in einem Nationalpark mit thermischen Quellen und so kleinen Fischen, die deine Hornhaut abknabbern. Und wieder mal haben wir die Herzlichkeit der Israelis kennengelernt. Wir durften dort kostenlos übernachten und haben sogar kostenlos Eis und Sandwiches bekommen. Und freien Eintritt, sodass wir nur die Busfahrt bezahlen mussten. Ich hab hier auch die ersten Pfadfinder getroffen und war bei einer Feier von ihnen. Ich muss sagen ich hab mich fast wie Zuhause gefühlt.

Foto: Hannah Becker

Auf meiner Arbeit geht es drunter und drüber, da die alten Volontäre jetzt alle weg sind und die neuen kommen erst in einer Woche. Also ist hier alles etwas durcheinander. Aber das pendelt sich wieder ein. Ich höre hier einfach mal auf und erzähle den Rest im nächsten Rundbrief, damit der nicht ganz so kurz wird. :)

Bis bald und bleibt im kalten Deutschland schön gesund!

Liebe Grüße 

Hannah

Über Dienste in Israel

Weitere Infos zum Voluntariat bei Dienste in Israel findet ihr hier.